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Review der US-Version


von Greg

 
 

 
  Meine Beziehung mit der Tales-Reihe habe ich ja schon zur Genüge im Ersteindruck zu Tales of the Abyss erörtert, aber um es nochmal zusammenzufassen: Tales-Spiele sind für mich of wie ein "Wechselbad der Gefühle". Im Namen der Tradition werden seit über einem Jahrzehnt Gameplay-Schnitzer einfach unreflektiert von Titel an Titel weitergegeben, dafür stimmt oft die Charakterisation und die "Verpackung" ist eigentlich auch immer ganz lecker. Bei Tales of Symphonia, dem indirekten Vorbild zu Abyss, schwang mein Spiespaß-Barometer zur Abwechslung mal aber direkt nach oben, es mauserte sich sogar zu meinem Lieblings-Titel aus der Serie. Den ersten Spielstunden nach zu urteilen war Abyss auf dem richtigen Weg, um zumindest ähnlich gut zu werden. Hat es dieses Ziel erreicht? Diese Frage kann ich mit einem klaren "Jein" beantworten ...

Lasst uns erstmal die guten Seiten näher beleuchten. Das Charakterdesign ist für ein Japano-RPG mal wieder echt gelungen. Frei nach Final Fantasy VIII spielt ihr mit Hauptcharakter Luke einen ungewöhnlich-quengeligen Unsymphaten, was eine recht mutige Entscheidung war. Dieser macht im Laufe des Spieles eine (sogar durchaus glaubhafte) Wandlung durch, was ihn natürlich um einiges interessanter als den Durchschnitts-Weltverbesserer aus Spiel XYZ macht. Auch seine Begleiter stehen da nicht hintendran, jede Figur hat ihre witzigen sowie ernsthaften Seiten und verkommt nicht zum farblosen Mitläufer, es kommt also nicht von Ungefähr dass die Abyss-Riege reihenweise Umfragen nach dem besten Tales-Ensemble gewinnt. Die Story passt eigentlich auch, Tales-typisch werden gewitzte Dialoge mit ernsthaften Situationen vermischt, nur manchmal verstrickt man sich in unnötig weinerliches Emo-Geheule.

Auch Gameplay-technisch führt Abyss die guten Ansätze aus Symphonia weiter. Das Kampfsystem funktioniert für ein Tales-Spiel erstaunlich gut, die Echtzeit-Kämpfe flutschen locker von der Hand und auch die KI euer Mitstreiter wird passabel vom Computer gesteuert. Die Dungeons haben hier und da kleine Rätsel zu bieten, Random Encounter wurden komplett gegen sichtbare Gegner getauscht, die Grafik sieht ziemlich hübsch aus und der Sakuraba-Sound düdelt passend mit ... alles gute und sinnvolle Features. Dies wäre eigentlich genug für ein rundes Rollenspiel-Erlebnis, wenn Abyss nicht ein paar entscheidende Makel hätte, die das Ganze wieder nach Unten ziehen.

Im Vergleich zu Symphonia hat Abyss jede Menge an "Speed" eingebüßt. Das Schöne an Symphonia war nämlich die enorm hohe Spielgeschwindigkeit: Man konnte durch die Locations fast schon durchdüsen, Encounter und Locationwechsel waren wegen dem fixen GameCube-Laufwerk ein Klacks. Abyss merkt man an, dass die PS2 mit dem Grundgerüst der Cube-Engine nicht mitkommt. Die Framerate schwankt hin und her, gerade die Oberwelt nähert sich manchmal dem einstelligen Bereich, die Ladezeiten ziehen sich oft hin ... das Ganze bleibt zwar spielbar, ist aber spürbar ungelenker.

Der träge Spielablauf wirkt sich doppelt negativ aus wenn man merkt, dass namco deutlich an der Spielzeit-Schraube gedreht hat und mächtig heiße Luft reingepumpt hat. Nach spätestens 30 Stunden hat man eigentlich alles gesehen, die ganze Welt wurde bereist, der Plot neigt sich dem Ende zu, es steht einem ein furioses Finale vor ... welches leider erst satte weitere 30 Stunden später passiert. Auch Symphonia litt unter etwas Leerlauf, diesmal geht ihr aber schon nach der Hälfte des Spieles erneut auf Sightseeing-Tour und macht fast das Selbe wie zuvor, nur die Textkästen haben eben einen anderen Inhalt. Dazu haben die Dialoge, auch wenn sie gut geschrieben und per Sprachausgabe vorgetragen wurden, die unglaublich nervige Angewohnheit sich in ständiges Psycho-Gebrabbel zu verlieren. Teilweise Minutenlang wird man mit ausgedachten Fachbegriffen Marke "Fonic Hymn" und "7th Fonon" zugeschmissen und es wird erwartet, dem Ganzen auch noch zu folgen ... irgendwie.

Diese beiden Punkte wiegen leider so schwer, dass Tales of the Abyss sich selbst aus dem Rennen als beste Tales-Episode nimmt. Hätte man die Spieldauer auf die Hälfte gekürzt und das verwirrende Geschwafel auf ein Minimum reduziert wäre Abyss sicher eines der Top-RPGs der PS2, denn Plot, Charas sowie Gameplay machen Einiges her. In der Form kann es meiner Meinung nach nicht am Thron von Symphonia rütteln, wobei aber gerade Fans dieses Spieles trotzdem ihren Spaß damit haben werden. Schade um das verschenkte Potential.

  Fazit : Der inoffizielle Nachfolger von Tales of Symphonia bringt eigentlich alles mit für ein richtig gutes Rollenspiel. Die Charaktere sind wirklich interessant, die Story hat ein paar coole Twists auf Lager und das Gameplay ist ebenfalls solide. Leider senkt die extrem aufgeschwemmte Spieldauer den Spaß am Zocken beträchtlich, denn wenn 30 Stunden Inhalt auf das Doppelte gestreckt werden reißt auch der ausgeglichendsten Person irgendwann der Geduldsfaden. Achja, und wenn ich noch irgendeinmal den Begriff "Fonic" zu hören bekomme springe ich aus dem Fenster ... ganz ehrlich! Guter Durchschnitt, nicht mehr.
 

 
 

 
Grafik       

Sound      

Spielspaß