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Eines vorneweg: Wenn Level 5 auf der Packung steht, dann kauft Greg auch das Spiel. Seitdem das Studio mit dem PS2-Frühwerk Dark Cloud auf den Plan trat, habe ich alle Level 5-Spiele mit Freude mehrfach durchgezockt und wäre auch weiteren Runden nicht abgeneigt. Objektiv gesehen mögen die Dark Clouds zwar mit Löchern im Spielsystem durchsetzte Dungeoncrawler sein und Dragon Quest VIII war vielleicht einen Tacken "zu Old-School", aber Design, Präsentation und Liebe zum Detail ziehen mich immer wieder rein und werden von Spiel zu Spiel immer weiter perfektioniert. Dementsprechend groß war die Freude bei mir als ich von Rogue Galaxy erfahren habe ... Level 5 macht eine große Space Opera, die diesmal auch noch ein waschechtes Rollenspiel sein wird? Count me in!
Ich hatte mir damals vorgenommen schonmal ausführlicher in die Japano-Version zu schauen, die bereits Ende 2005 erschien, was mir durch Zeitmangel nicht gelang und letztenendes wohl auch zum Besten war. Publisher Sony nämlich zwang Level 5 ein halbfertiges Produkt auf den Markt zu werfen um das lukrative Weihnachtsgeschäft mitzunehmen, doch leider ging die Rechnung nicht auf: Anstatt rasenden Absatz gab es maue Wertungen in der Presse und generelle Enttäuschung angesichts der wartendenden Fans. Flash Forward ins Jahr 2007 und dem Release der US-Version. Neben der eigentlichen Lokalisation hat Level 5 die Gelegenheit genutzt, ihr "Baby" ordentlich auf Hochglanz zu polieren und den ursprünglich fehlenden Content nachzuschieben ... schön. Nachdem ich damals schon einen Blick auf das Spiel für MTV Game ONE geworfen habe, konnte ich mich nun endlich dank Sommerpause vollends in die Rogue Galaxy fallen lassen und alle Details Stück für Stück zerpflücken.
Wie so oft steht am Anfang von Rogue Galaxy ein stattlicher, junger Mann, der einen großen Traum vor Augen hat: Nein, weder die Hand einer "gut bestückten" Prinzessin noch der Besitz einer großen Kette von Schuhgeschäften sind sein Begehr, er will nur in den großen, weiten Weltraum aufbrechen und alle möglichen Abenteuer erleben. Dieser Wunsch wird Jaster Rogue, so der Name unseres Protagonisten, auch sogleich erfüllt. Nachdem er von einem geheimnisvollen Fremden ein mächtiges Schwert in die Hand gedrückt bekommt, wird er von einer Gruppe Piraten mit einem allseits bekannten Kopfgeldjäger verwechselt und sogleich angeheuert.
Dies ist sogleich der Startschuss für eure Eskapaden, die euch auf verschiedenste Planeten, Galaxien und sogar Dimensionen führen. Dabei kommt das Level 5-typische, sehr solide Design-Händchen gut zur Geltung: Das Universum von Rogue Galaxy wird zwar hauptsächlich von Humanoiden bewohnt, aber es gibt auch genug andere Spezies auf den zahlreichen Welten, so dass ein ordentliches "Space Opera"-Feeling entstehen kann. Rogue Galaxy ist weniger mit dem drögen Star Ocean gleichzusetzen, der bessere Vergleich wäre Mass Effect nach einer kräftigen Japano-Kur. Dazu passen auch die Charaktere, jede der Hauptfiguren wurde sorgfältig ausgearbeitet und kriegt genug Anteil am Spielablauf, um nicht zum gesichtlosen Mitläufer zu verkommen. Die Storyline tut dazu ihr Übriges, zwar ist sie im Endeffekt nicht gerade "Grimme Preis"-verdächtig, aber erledigt ihren Job passabel und baut den ihre Spannungsbogen mit Bedacht auf. Den Rest erledigt die Technik: Die Cel-Shading Optik sieht wahnsinnig-gut aus, der Soundtrack von Tomohito Nishiura geht fein ins Ohr und die Sprachausgabe ist hochwertig produziert. Eigentlich kann man Rogue Galaxy in diesem Bereich als konsequente Weiterentwicklung von Dark Chronicle ansehen, denn wenn Level 5 eines kann, dann ist es charmante und echt-hübsche Spiele auf die Mattscheibe zu zaubern. Auf der PS2 gibt es nur wenig Vergleichbares ...
Technik und Setting stimmen, doch wie sieht es mit dem Gameplay aus? Nun, hier sieht man deutlich die Wurzeln von Dark Chronicle durchscheinen. Zur Rekapitulation: In Dark Chronicle lenkte man seine Spielfigur durch zufällig generierte Dungeons, in denen man allerlei Gegner in bester Zelda-Manier in Echtzeit auseinander nahm. Diese Grundregeln gelten in Maßen auch für Rogue Galaxy, unterscheiden sich aber in ein paar wichtigen Punkten. Statt Zufalls-Leveln sind die Gebiete hier nun fest strukturiert, Dungeons wie Städte bestehen aus weitläufigen Bauten und bleiben stets gleich. Leider hat man hier nicht die Möglichkeiten genutzt, die einem ein fertiges Leveldesign ermöglicht: Rogue Galaxy-Dungeons sehen optisch zwar immer sehr nett aus, arten durch ähnliche und übermäßig lange Gebiete mehr zur Pfilchtaufgabe als denn zur spannenden Entdeckungstour aus. Man arbeitet hier eben mehr als man spielt, dies gilt insbesondere gegen Ende des Spieles, wo das Design fast schon unverschämt langatmig ist. Entschärft wird das Ganze durch sehr großzügig verteilte Save- und Warp-Punkte, mit denen man schnell mal anderswo hin kann, wenn einem der aktuelle Level auf die Nerven geht. Zwar löst dies nicht komplett das dröge Dungeondesign, macht es aber immerhin erträglich. Insgesamt ist es wirklich schade dass nicht mehr draus gemacht wurde und es ist fast schon erschreckend, dass sich die Zufallsdungeons aus Dark Chronicle interessanter spielen lassen als ihre von langer Hand vorbereiteten Rogue Galaxy-Welten.
Der andere Unterschied zu Dark Chronicle findet sich im Kampfsystem wieder. Die Echtzeit-Kämpfe mit Zelda-Einschlag sind zwar immer noch vorhanden, diesmal laufen jedoch gleich zwei vom Computer gesteuerten Kollegen mit euch mit. Deren Steuerung könnt ihr im Kampf zwar jeweils auch übernehmen, die richtige Lösung ist aber der PS2 den Job zu überlassen. Im Gegensatz zu anderen RPGs mit KI-Steuerung reagieren hier die CPU-Mitstreiter nämlich richtig clever, wenn man sie nur lässt. Ich hatte einen Großteil des Spieles dass Problem, dass ich mich zu sehr um meine Partner kümmern musste und so viele Kämpfe unnötig schwer wurden, die schlüpfrige KI der Tales-, Star Ocean und Kingdom Hearts-Spiele schwebte mir ständig im Kopf herum. Kaum hatte ich die KI auf die höchste Stufe gestellt, spielte sich alles wunderbar: Die Mitstreiter kämpften clever ohne euch die Arbeit komplett abzunehmen oder ständig in Weg zu stehen, sie gingen verantwortungsvoll mit den Items um, kurzum, es passte einfach. Die eigene Steuerung passt ebenfalls: Ich Echtzeit hackt und ballert ihr euch durch teilweise taktisch echt-kluge Gegner, ein nettes Combo- und Special-System hält euch auf Trab ... Kämpfen macht echt Laune, wenn man den Computer helfen lässt.
Ganz in der Dark Chronicle-Tradition kommt hier Level 5s Obsession mit Items ins Spiel. Es gibt Hunderte von Waffen und Gegenständen, die fast alle aufgelevelt und fusioniert werden können, um sie stärker zu machen. Positiver Nebeneffekt: Man freut sich viel mehr über sein aufwendig geleveltes und individualisiertes Arsenal, als wenn man es schnöde im nächsten Laden gekauft hätte. Man bräuchte zwar ein Sabbatjahr um alle Fusionsmöglichkeiten auszuschöpfen, aber auch wenn man nur an der Oberfläche kratzt macht es Spaß. Dazu gibt es Abseits der Storyline jede Menge an Sidequests zu entdecken, so jagt man per Steckbrief gesuchte Schwerverbrecher für mächtig viel Lösegeld, züchtet Monster für eine Pokemon-Kampfarena und bastelt Items in speziellen Fabrikstrassen nach. Wie schon gesagt, das ist alles typisch Level 5: Rogue Galaxy ist gefüllt mit Bonus Content bis obehin an den Rand, der nicht unbedingt jedem gefallen muss, aber trotzdem immer verfügbar ist ... für alle Fälle.
Insgesamt hat mir Rogue Galaxy jede Menge Spaß gemacht, auch wenn es nicht ganz das geworden ist, was ich mir erwartet habe. Gerade das teilweise echt nervige Dungeon-Design hat mich schwer enttäuscht: Wie kann es sein, dass mir die zufällig-generierten Level aus Dark Chronicle mehr Spaß machen als die sorgfältig ausgearbeiteten Rogue Galaxy-Gebiete? Man hätte soviel an Rätseln oder andere cleveren Einlagen reinbasteln können, stattdessen bleibt mächtig Potential am Boden liegen. Immerhin stimmt der Rest: Das Kämpfen macht Spaß, erstmals gibt es funktionierende KI-Partner und Story, Setting wie auch Charaktere passen ebenfalls. Nimmt man die erwartungsgemäß hohen Production Values dazu gibt es eigentlich nur wenig zu mäkeln, mit hat's jede Menge Spaß gemacht, auch wenn die Dungeons für viele einen Stolperstein darstellen werden ... Mist, jetzt habe ich auf einmal tierisch Laune auf Dark Cloud 3 ...
Fazit : Ihr habt Lust auf ein zünftiges Weltraum-RPG, aber Mass Effect ist euch zu westlich und Star Ocean zu mies? Dann solltet ihr Rogue Galaxy eine Chance geben! Ausgestattet mit einigen der besten Production Values auf der PS2 stellt RG massig Echtzeitkämpfe in den Mittelpunkt, die ihr mithilfe echt kluger KI-Partner meistert. Leider findet das Ganze in teilweise extrem langatmigen und anstrengenden Dungeons statt, so dass man eine gewisse Ader für ausgiebige Wanderschaften mitbringen muss, um mit dem Spielablauf warm zu werden. Der Rest stimmt aber: Die Story ist spannend, eure Charakterriege sympathisch es gibt Sidequests bis die Schwarte kracht. Die Spiel knackt locker die 50 Stunden-Marke, wer alles sehen will legt aber nochmal soviel drauf.
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