Zurück zur Startseite

Spieletests Nützliche Infos & kurzer Story-Abriß Bilder aus dem Spiel Offizielle Zeichnungen & Renderings Musiken zum Anhören und downloaden Spielstände in verschiedenen Formaten Zur Startseite



 

 

Review der US-Version


von Greg

 
 

 
  Es gab in den letzten Jahren nur wenige Spiele, die bei mir als passioniertem Viel-Zocker einen derart bleibenden Eindruck hinterlassen haben als die der Phoenix Wright-Serie. Im Grunde sind sie recht simpel gestrickt: Als Rechtsanwalt in der Welt von Morgen gilt es allerlei zu Unrecht des Mordes beschuldigte Irrlichter vor dem Schafott zu bewahren. Um dies zu erreichen sammelt man in bester Adventure-Manier Beweismittel, fragt allerlei Zeugen aus und fechtet schlussendlich spannende Gefechte im Gerichtsaal aus. Die Formel bleibt stets gleich, das Gameplay simpel. die Struktur ähnlich … und doch funktioniert es immer wieder.

Was den wirklichen Reiz der Serie ausmacht sind nämlich die Charaktere, die trotz ellenlanger Textwüsten so lebendig sind wie kaum  eine andere Videospiel-Figur. Selten fühlte man sich so „verbunden“ mit seinen digitalen Gegenübern, war so in ihr Schicksal involviert und mit hat ihnen mitgezittert, wenn sie von den stets spannenden Stories mit dem „Hammer der Plotwendungen“ weichgeklopft wurden. Das ist es was an Phoenix Wright so viel Spaß macht, und genau das ist es was aus dem hier vorgestellten dritten Teil, Trials & Tribulations, das beste Spiel der Serie werden lässt … doch ich greife hier etwas zu weit vor.

Wie schon erwähnt ist Trials & Tribulations der dritte Teil der Serie und gleichzeitig Abschluss der ersten Phoenix Wright-Trilogie. Man kann sich das Ganze in etwa wie bei den Star Wars- oder Herr der Ringe-Filmen vorstellen. Teil 1 ist dazu da mit den Charakteren und dem Universum vertraut zu werden, in Teil 2 wird die Geschichte konsequent weitergesponnen und Teil 3 bietet schließlich das furiose Finale.  In unserem Fall war das erste Phoenix Wright noch die Kennenlern-Phase, man traf das Erste mal auf die illustre Riege an Knallköpfen und durfte sich nebenbei das Spielsystem einverleiben. Der Nachfolger Justice for All griff das Erlernte auf machte konsequent weiter, indem clevere Plots und coole Gameplay-Ideen die Bindung zu den Charakteren weiter verstärkten. Jetzt ist Trials & Tribulations dran und lässt von Beginn an die Handbremse los.

Auch wenn der titelgebende Phoenix Wright, unser Staranwalt mit dem blauen Anzug und der windschnittigen Frisur, wieder der Hauptcharakter des Spieles ist, beginnt man diesmal nicht in seinen Schuhen. Stattdessen wirft Trials & Tribulations und einfach ein paar Jahre in die Vergangenheit und lässt uns am Gerichtssaal-Debut von Mia, Phoenix‘ ehemaligem Mentor teilhaben. Die ist mittlerweile zwar in die ewigen Jagdgründe entschwunden, war zu dem Zeitpunkt aber noch quicklebendig und hatte nur ein Ziel vor Augen: Den des Mordes beschuldigten Kunststudenten Phoenix Wright vor dem Knast zu bewahren!

Kennern der Serie leuchten hier schon die Augen auf. Der erste Fall macht nämlich eine schöne Einleitung in die Hauptstory des Spieles, die sich durch fast alle Kapitel zieht und in einem Monster von Finale mündet, das einen fast von den Socken haut. Das ist dann nämlich „Fanservice“ pur, es tauchen ohne Ende alte Bekannte auf, es wird geschickt mit Gameplay-Elementen und der Rollenverteilung gespielt, die offenen Fragen aus den ehemaligen Teilen werden elegant aufgelöst, kurzum, als Phoenix Wright-Veteran kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Natürlich funktioniert das Spiel auch für die Neulinge, denn Trials & Tribulations denkt stets daran genug Info zu bieten um eventuelle Wissenslücken zu schließen, ist aber in der Form aber eigentlich nur halb so schön.  Um hier wieder auf den Film-Vergleich zu gehen: Man kann sich Die Rückkehr des Königs auch so im Kino anschauen, aber erst durch Die Gefährten und Die Zwei Türme wird die Herr der Ringe-Serie so richtig rund.

Vom Gameplay her hat sich hingegen absolut garnichts seit dem Vorgänger geändert. Das Spielkonzept ist wie gesagt sowieso stets gleich: Als Phoenix Wright ist man der Anwalt der Glücklosen, der schier aussichtslosen Fälle, der Angeklagten die mit dem blutigen Messer in der Hand am Tatort erwischt wurden. Um deren Unschuld zu beweisen wendet man die zwei bewährten Methoden der klassischen Grafik-Adventures an: Man redet sich den Mund fusselig und sammelt lauter merkwürdiges Zeug ein. Diese Gegenstände und Erkenntnisse nimmt man schließlich mit in den Gerichtssaal, wo man der Wahrheit Stück für Stück mit behutsam gewählten Einsprüchen auf die Schliche kommt.

Diesmal hat Trials & Tribulations dieses Konzept wie gesagt in ein festes Story-Kleid gezwängt. Zwar spielt man hier 5 grundverschiedene Kapitel, die mit stets anderen Personen und Geschichten aufwarten, aber wenn man genauer hinschaut greift alles fest ineinander. Die Fälle sind derart vollgestopft mit Details, Analogien und Referenzen  zu den alten Spielen und zueinander, dass da große Gameplay-Innovationen wohl vom eigentlichen „Reiz“ nur abgelenkt hätten. Spielerisch war eh kein Bedarf für Neues gewesen, alles funktioniert echt gut und die Updates von Justice for All wie die variable Energie-Leiste und das witzige Psyche-Lock System wurden konsequent weiterentwickelt. Wer jetzt nur Bahnhof versteht … spielt einfach drauf los und lasst euch überraschen.

Auch technisch ist hier alles beim Alten geblieben. Wie die Spiele zuvor ist auch Trials & Tribulations ein reines GameBoy Advance-Remake, das heißt, die Steuerung wurde zwar auf den Stylus des Nintendo DS angepasst, aber es gibt keine inhaltlichen Spielereien mit dem Touchscreen und dem Mikro.  Darunter hatte zwar auch der Vorgänger Justice for All zu leiden, aber hier wird der Mangel an neuen Features durch den wesentlich dickeren Umfang des Spieles wieder aufgefangen.

Die Grafik macht ebenfalls keine Sprünge, den Großteil der Optik machen nett animierte Anime-Portraits euer Gegenüber aus, 3D-Spielereien gibt es gar keine. Hier gilt aber wie schon bei den Vorgängern, auch wenn es rein technisch keinen Blumentopf zu gewinnen gibt wurden selten Videospiel-Figuren derart sympathisch präsentiert. Zusammen mit den gewitzten und cleveren Texten tragen die Portraits viel zum Charme des Ganzen bei.

Musikalisch hat man sich nach dem leicht schwächelnden Soundtrack von Justice for All den Grandia-Musiker Noriyuki Iwadare ins Boot geholt, der etliche neue Titel geschrieben hat, mit denen ich persönlich aber nicht wirklich warm geworden bin. Wie in Teil 2 sind die Tracks allenfalls „nett und passabel“, was leider immer noch meilenweit vom  exzellenten Soundtrack des ersten Phoenix Wright ist. Schade.

Alles in Allem ist Trials & Tribulations aber ohne Wenn und Aber ein Must-Have für jeden DS-Besitzer, der auch nur entfernt mit Adventures etwas anfangen kann. Gameplay und Stil sind cool wie eh und jeh, aber allein die echt interessante Story und besonders die wahnsinnig-spannende Auflösung des Ganzen sollte man einfach mal erlebt haben. Natürlich ist das Spiel nicht perfekt, wie die anderen Phoenix Wright-Spiele ist der Ablauf so fest vorgegeben dass man nur selten vom eigentlichen Pfad runtergehen kann. Hat man sich die Lösung bestimmter Details schon zusammengereimt bevor sie im Script vorgesehen sind, kann man durchaus mal auf der Stelle treten und muss erst mal darauf kommen, wie das Spiel sich eigentlich alles so gedacht hat. Dies passiert aber nur recht selten und sollte keinen davon abhalten, hier zuzuschlagen.

Wer sich jetzt wundert, warum ich Trials & Tribulations als Teil 3 der Serie bezeichne, wo es doch das vierte „Wir spielen jetzt einen Anwalt“-Game in Deutschland ist, liest jetzt genau mit denn es wird ein wenig kompliziert. Capcom haben nämlich, in ihrer unendlichen Weisheit, den vierten Teil der Serie genannt Apollo Justice einfach Monate vor Teil 3 auf den Markt geworfen. Dieser gehört zwar auch zur Serie, tauscht aber fast die komplette Charakter-Riege aus und wirft mit Gameplay-Innovationen nur so um sich. Das richtige Phoenix Wright-Finale ist aber Trials & Tribulations und bleibt selbst für Leute, die Apollo Justice schon durch haben zum Glück komplett spielbar da in Teil 4 nicht „rückwirkend“ gespoilert wird. Wer sich also Gründe zusammensucht es nicht zu spielen sollte sie gleich wieder vergessen. Kauft euch Trials & Tribulations, spielt es und seid glücklich … Finito!

  Fazit : Der glorreiche Abschluss der Phoenix Wright-Trilogie und gleichzeitig eines der besten DS-Spiele überhaupt. Spielerisch ist die Mischung aus Grafikadventure und Gerichtsdrama natürlich überhaupt nicht mehr frisch, sie macht schließlich überhaupt nichts Neu, aber sie funktioniert so gut wie eh und je und hat eine der spannendsten  Stories überhaupt auf Lager. Must Have! Kaufen! Jetzt!
 

 
 

 
Grafik       

Sound      

Spielspaß