Es gab in den letzten Jahren nur wenige Spiele, die bei mir
als passioniertem Viel-Zocker einen derart bleibenden Eindruck hinterlassen
haben als die der Phoenix Wright-Serie.
Im Grunde sind sie recht simpel gestrickt: Als Rechtsanwalt in der Welt von
Morgen gilt es allerlei zu Unrecht des Mordes beschuldigte Irrlichter vor dem Schafott
zu bewahren. Um dies zu erreichen sammelt man in bester Adventure-Manier
Beweismittel, fragt allerlei Zeugen aus und fechtet schlussendlich spannende
Gefechte im Gerichtsaal aus. Die Formel bleibt stets gleich, das Gameplay
simpel. die Struktur ähnlich … und doch funktioniert es immer wieder.
Was den wirklichen Reiz der Serie ausmacht sind nämlich die
Charaktere, die trotz ellenlanger Textwüsten so lebendig sind wie kaum eine andere Videospiel-Figur. Selten fühlte
man sich so „verbunden“ mit seinen digitalen Gegenübern, war so in ihr
Schicksal involviert und mit hat ihnen mitgezittert, wenn sie von den stets
spannenden Stories mit dem „Hammer der Plotwendungen“ weichgeklopft wurden. Das ist es was an Phoenix Wright so viel Spaß macht, und genau das ist es was aus dem
hier vorgestellten dritten Teil, Trials
& Tribulations, das beste Spiel der Serie werden lässt … doch ich
greife hier etwas zu weit vor.
Wie schon erwähnt ist Trials & Tribulations der dritte
Teil der Serie und gleichzeitig Abschluss der ersten Phoenix Wright-Trilogie.
Man kann sich das Ganze in etwa wie bei den Star Wars- oder Herr der
Ringe-Filmen vorstellen. Teil 1 ist dazu da mit den Charakteren und dem Universum
vertraut zu werden, in Teil 2 wird die Geschichte konsequent weitergesponnen
und Teil 3 bietet schließlich das furiose Finale. In unserem Fall war das erste Phoenix Wright
noch die Kennenlern-Phase, man traf das Erste mal auf die illustre Riege an Knallköpfen
und durfte sich nebenbei das Spielsystem einverleiben. Der Nachfolger Justice
for All griff das Erlernte auf machte konsequent weiter, indem clevere Plots
und coole Gameplay-Ideen die Bindung zu den Charakteren weiter verstärkten.
Jetzt ist Trials & Tribulations dran und lässt von Beginn an die Handbremse
los.
Auch wenn der titelgebende Phoenix Wright, unser Staranwalt
mit dem blauen Anzug und der windschnittigen Frisur, wieder der Hauptcharakter
des Spieles ist, beginnt man diesmal nicht in seinen Schuhen. Stattdessen wirft
Trials & Tribulations und einfach ein paar Jahre in die Vergangenheit und
lässt uns am Gerichtssaal-Debut von Mia, Phoenix‘ ehemaligem Mentor teilhaben.
Die ist mittlerweile zwar in die ewigen Jagdgründe entschwunden, war zu dem
Zeitpunkt aber noch quicklebendig und hatte nur ein Ziel vor Augen: Den des
Mordes beschuldigten Kunststudenten Phoenix Wright vor dem Knast zu bewahren!
Kennern der Serie leuchten hier schon die Augen auf. Der
erste Fall macht nämlich eine schöne Einleitung in die Hauptstory des Spieles,
die sich durch fast alle Kapitel zieht und in einem Monster von Finale mündet, das
einen fast von den Socken haut. Das ist dann nämlich „Fanservice“ pur, es
tauchen ohne Ende alte Bekannte auf, es wird geschickt mit Gameplay-Elementen
und der Rollenverteilung gespielt, die offenen Fragen aus den ehemaligen Teilen
werden elegant aufgelöst, kurzum, als Phoenix Wright-Veteran kommt man aus dem
Staunen nicht mehr heraus.
Natürlich funktioniert das Spiel auch für die Neulinge, denn
Trials & Tribulations denkt stets daran genug Info zu bieten um eventuelle
Wissenslücken zu schließen, ist aber in der Form aber eigentlich nur halb so
schön. Um hier wieder auf den
Film-Vergleich zu gehen: Man kann sich Die Rückkehr des Königs auch so im Kino
anschauen, aber erst durch Die Gefährten und Die Zwei Türme wird die Herr der
Ringe-Serie so richtig rund.
Vom Gameplay her hat sich hingegen absolut garnichts seit
dem Vorgänger geändert. Das Spielkonzept ist wie gesagt sowieso stets gleich:
Als Phoenix Wright ist man der Anwalt der Glücklosen, der schier aussichtslosen
Fälle, der Angeklagten die mit dem blutigen Messer in der Hand am Tatort
erwischt wurden. Um deren Unschuld zu beweisen wendet man die zwei bewährten
Methoden der klassischen Grafik-Adventures an: Man redet sich den Mund fusselig
und sammelt lauter merkwürdiges Zeug ein. Diese Gegenstände und Erkenntnisse
nimmt man schließlich mit in den Gerichtssaal, wo man der Wahrheit Stück für
Stück mit behutsam gewählten Einsprüchen auf die Schliche kommt.
Diesmal hat Trials & Tribulations dieses Konzept wie
gesagt in ein festes Story-Kleid gezwängt. Zwar spielt man hier 5
grundverschiedene Kapitel, die mit stets anderen Personen und Geschichten
aufwarten, aber wenn man genauer hinschaut greift alles fest ineinander. Die
Fälle sind derart vollgestopft mit Details, Analogien und Referenzen zu den alten Spielen und zueinander, dass da
große Gameplay-Innovationen wohl vom eigentlichen „Reiz“ nur abgelenkt hätten.
Spielerisch war eh kein Bedarf für Neues gewesen, alles funktioniert echt gut
und die Updates von Justice for All wie die variable Energie-Leiste und das
witzige Psyche-Lock System wurden konsequent weiterentwickelt. Wer jetzt nur
Bahnhof versteht … spielt einfach drauf los und lasst euch überraschen.
Auch technisch ist hier alles beim Alten geblieben. Wie die
Spiele zuvor ist auch Trials & Tribulations ein reines GameBoy
Advance-Remake, das heißt, die Steuerung wurde zwar auf den Stylus des Nintendo
DS angepasst, aber es gibt keine inhaltlichen Spielereien mit dem Touchscreen
und dem Mikro. Darunter hatte zwar auch
der Vorgänger Justice for All zu leiden, aber hier wird der Mangel an neuen
Features durch den wesentlich dickeren Umfang des Spieles wieder aufgefangen.
Die Grafik macht ebenfalls keine Sprünge, den Großteil der
Optik machen nett animierte Anime-Portraits euer Gegenüber aus, 3D-Spielereien
gibt es gar keine. Hier gilt aber wie schon bei den Vorgängern, auch wenn es
rein technisch keinen Blumentopf zu gewinnen gibt wurden selten
Videospiel-Figuren derart sympathisch präsentiert. Zusammen mit den gewitzten
und cleveren Texten tragen die Portraits viel zum Charme des Ganzen bei.
Musikalisch hat man sich nach dem leicht schwächelnden
Soundtrack von Justice for All den Grandia-Musiker Noriyuki Iwadare ins Boot
geholt, der etliche neue Titel geschrieben hat, mit denen ich persönlich aber
nicht wirklich warm geworden bin. Wie in Teil 2 sind die Tracks allenfalls
„nett und passabel“, was leider immer noch meilenweit vom exzellenten Soundtrack des ersten Phoenix
Wright ist. Schade.
Alles in Allem ist Trials & Tribulations aber ohne Wenn
und Aber ein Must-Have für jeden DS-Besitzer, der auch nur entfernt mit
Adventures etwas anfangen kann. Gameplay und Stil sind cool wie eh und jeh,
aber allein die echt interessante Story und besonders die wahnsinnig-spannende
Auflösung des Ganzen sollte man einfach mal erlebt haben. Natürlich ist das
Spiel nicht perfekt, wie die anderen Phoenix Wright-Spiele ist der Ablauf so
fest vorgegeben dass man nur selten vom eigentlichen Pfad runtergehen kann. Hat
man sich die Lösung bestimmter Details schon zusammengereimt bevor sie im
Script vorgesehen sind, kann man durchaus mal auf der Stelle treten und muss erst
mal darauf kommen, wie das Spiel sich eigentlich alles so gedacht hat. Dies
passiert aber nur recht selten und sollte keinen davon abhalten, hier
zuzuschlagen.
Wer sich jetzt wundert, warum ich Trials & Tribulations
als Teil 3 der Serie bezeichne, wo es doch das vierte „Wir spielen jetzt einen
Anwalt“-Game in Deutschland ist, liest jetzt genau mit denn es wird ein wenig
kompliziert. Capcom haben nämlich, in ihrer unendlichen Weisheit, den vierten
Teil der Serie genannt Apollo Justice einfach Monate vor Teil 3 auf den Markt geworfen. Dieser gehört zwar auch zur
Serie, tauscht aber fast die komplette Charakter-Riege aus und wirft mit
Gameplay-Innovationen nur so um sich. Das richtige Phoenix Wright-Finale ist
aber Trials & Tribulations und bleibt selbst für Leute, die Apollo Justice
schon durch haben zum Glück komplett spielbar da in Teil 4 nicht „rückwirkend“
gespoilert wird. Wer sich also Gründe zusammensucht es nicht zu spielen sollte
sie gleich wieder vergessen. Kauft euch Trials & Tribulations, spielt es
und seid glücklich … Finito!
Fazit : Der glorreiche Abschluss der Phoenix Wright-Trilogie
und gleichzeitig eines der besten DS-Spiele überhaupt. Spielerisch ist die
Mischung aus Grafikadventure und Gerichtsdrama natürlich überhaupt nicht mehr
frisch, sie macht schließlich überhaupt nichts Neu, aber sie funktioniert so
gut wie eh und je und hat eine der spannendsten Stories überhaupt auf Lager. Must Have! Kaufen! Jetzt!
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