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Wer seit vielen Jahren zockt, wird über so manche Gamer-Kuriosität gestolpert sein. Spiele, die einfach nur irgendwie schräg sind, irgendwie anders. Merkwürdige Spiele. Merkwürdige Spiele aus Japan. Merkwürdige Spiele aus Japan ... wie Okage. Ich habe ja schon viele RPGs gespielt, aber so eines wie Okage ist mir eigentlich nicht untergekommen. Objektiv gesehen gibt es eigentlich nur wenig Gründe, dem kleinen Sony-Rollenspiel für die PS2 aus dem Jahre viel Beachtung zu schenken. Andererseits sollte man sich das Spiel nicht entgehen lassen, denn so absurd wie hier geht es nur selten zu. Was ist nun dran an Okage?
Schon die Setup klingt irgendwie ... nicht ganz so richtig. Ihr schlüpft in die Rolle von Ari, einem unscheinbaren jungen Kerl, der das Maul nicht aufkriegt und an dem das Leben vorüber geht. Eines Tages wird Aris Schwester verflucht, und was tut man in so einem Fall? Genau, man hält eine Seance ab und beschwört den Schatten eines ehemaligen Despoten, der das Malheur richten soll. Stan, so heißt der Schatten, ist ein sogenannter "Evil King" und auch bereit zu helfen, aber macht dies nur, wenn er jemanden versklaven kann. Die Wahl fällt auf Ari ... natürlich! Aris Schwester wird daraufhin geheilt, nun klebt jedoch Stan als Schatten an den Hacken Aris. Stan befiehlt seinem Diener, die Welt zu bereisen und seine ehemaligen Widersacher von der Landkarte zu wischen. So machen sich die beiden auf um den anderen "Evil Kings" den Garaus zu machen. Es ist wie ein Road Movie ... ein Road Movie, in dem Marcel Marceau und Hitler die Hauptrolle spielen.
Obwohl ihr Stan eigentlich nur mit euch schleift, steht er natürlich im Mittelpunkt aller Ereignisse die in Okage so passieren, und das ist auch gut so. Stans Ambitionen zur alleinigen Weltherrschaft und Tilgung seiner Feinde beißt sich etwas mit seinem Dasein als Schatten, was zum Gegenstand vieler gefährlicher Exkurse und Diskussionen mit anderen Leuten wird. Selten hat es so viel Spaß gemacht zu sehen wie die Welt auf Stan reagiert, clevere Dialoge und witzige Situationen ergeben sich so fast schon von alleine. Natürlich darf man hier keine tiefgründige Storyline voller Nietsche-Zitate erwarten, der Plot tut nur das nötigste um euch von Punkt A zu Punkt B zu bringen, aber mehr ist auch nicht nötig.
Spielerisch ist Magerkost angesagt. Random Encounter gibt es keine, die Gegner tummeln sich auf der Worldmap und können auf Wunsch auch vermieden werden. Innerhalb der Kämpfe läuft alles traditionell rundenbasiert ab, Stan hilf euch ab und zu nach einegem Gusto aus, mehr ist da nicht. vor allem da der Schwierigkeitsgrad so gut wie nicht existent ist. Die Dungeons sind nicht mehr als kleine Labyrinthe, mit Ausnahme einer Handvoll Kontrahenten sind selbst die Bosse reines Fallobst. Gegen Ende hin gibt es zwar einen spürbaren Anstieg beim Schwierigkeitsgrad, aber da ist es eh schon zu spät. Das ist hier aber eh egal, niemand sollte Okage des Gameplays wegen spielen.
Viel vom Appeal Okages macht der Look aus. Passend zum schrägen Setting haben die Designer anscheinend ordentlich die Filme vom Tim Burton studiert. Das Ergebnis sind Charaktere wie auch Locations direkt nach dem Beetlejuice oder Nightmare Before Christmas-Vorbild, welche hier natürlich wie die Faust aufs Auge passen. Zwar ist alles etwas niedrig aufgelöst und ein merkwürdiger Unschärfe-Filter kaschiert die geringe Fernsicht, aber alles ist schön ausmodelliert und hat seinen eigenen Stil. Die Musik setzt wenig Höhepunkte und wiederholt sich thematisch recht oft, hat teilweise aber Ohrwurmqualitäten, das peppige Theme der Stadt Madril geht mir seit Jahren nicht mehr aus dem Gehör.
Fazit : Alles in allem lässt sich Okage gut auf den Nenner "Viel Stil, wenig Substanz" bringen. Spielerisch hat man nämlich nichts verpasst, wenn man Okage links liegen lässt. Hat man aber Lust auf den "etwas anderen" Look und die "etwas andere" Story sollte man echt mal einen Blick wagen, vor allem Stan hat es verdient, vor einem größeren Publikum zu spielen. Probiert es aus, solltet ihr sie Chance mal bekommen.
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