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Knapp ein Jahr nach Final Fantasy VII und 6 Monate nach dem Japan-Release erschien im September '99 endlich die US-Version von Final Fantasy VIII. Als das 70 Millionen $ Mammut-Projekt im Frühjahr 1999 in Japan released wurde, brach es alle Verkaufsrekorde und überholte schon nach wenigen Wochen die Verkaufzahlen schon immens erfolgreichen Vorgängers. Wer sich von den japanischen Texten nicht abschrecken liess und das Spiel per Importhändler ins heimische Wohnzimmer holte, musste erstmal eine böse Überraschung erleben, denn FF8 war als eines der ersten Spiele mit einem Anti Modchip-Schutz ausgestatten und verweigerte bei umgenbauten Konsolen den Dienst. Glücklicherweise konnte diese Piraterie-Sperre, die eigentlich als Maßnahme gegen die asiatischen Kopierer gedacht war, per neuen Chips oder GameBuster-Codes ausser Kraft gesetzt, aus der US und der folgenden Pal-Version wurde der Schutz aber entfernt. Mittlerweile wird der Schutz auch vereinzelnt in den USA angewandt und z.B. in Capcoms` Dino Crisis oder Konamis' Vandal Hearts 2 intergriert.
Dass Square mit den neusten Final Fantasy Teil das aufwendigste Computer / Videospiel aller Zeiten geschaffen hat, sieht man an allen Ecken und Enden. Neben der mal wieder gut gemachten Story, deren Hauptthema die Liebesgeschichte zwischen dem SeeD-Kadetten Squall Leonhart und der offenherzigen Rinoa Heartilly ist, wurde neben vielen Innovationen im Gameplay die beste PSX-Grafik aller Zeiten spendiert. Der Weggang von den eher Anime-typischen Figuren aus Final Fantasy 7 zu realistischen Charakteren hat sich als richtiger Schritt erwiesen, dies wird selbst dem größten Anime-Fan spätestens nach dem fulminanten Vorspann klar. Das Charakter-Design von Tetsuya Nomura, der schon für Cloud & Co. verantwortlich war, kommt durch die nett gemachten Polygon-Figuren (im Spiel) und insb. durch die Rendersequenzen wunderbar zur Geltung. Diese präsentieren sich in einer noch nie dagewesenen Qualität (z.B. wirkt der Flug über eine Blumenwiese schon fast fotorealistisch) und fügen sich noch nahtloser in Spielverlauf ein als im Vorgänger. Der Rest der Grafik steht dem ebenfalls in nichts nach. Die Renderhintergründe sind qualitativ an der Spitze des Möglichen und wirken dank zahlreicher Effekte wie künstliches Light-Sourcing, Auto Focus etc. und einer Vielzahl an Statisten sehr lebendig. Von den merkwürdigen FF7-Polygonfiguren hat man sich verabschiedet und präsentiert nun lebensechtere Charaktere in Originalgröße, die dank Motion Capturing fein animiert sind. Die Qualität der Figuren geht in Ordnung, auch wenn mittlerweile Genki (Jade Cocoon) und Capcom (Dino Crisis) gezeigt haben, dass es eigentlich besser geht.
Das grafische Highlight setzen mal wieder die Kampfsequenzen. Der verkleinerte Bildausschnitt aus dem Vorgänger ist (fast) zum Vollbild geworden, und die Menüs werden bei Bedarf eingeblendet, so das der Blick auf die fulminantesten Angriffe und Zauber der Videogame-Geschichte freibleibt. Die manchmal minutenlagen Summon-Zauber haben einen gigantischen Schauwert, auch wenn der allerspätestens nach dem 300ten Aufruf eher in ein Gähnen verwandelt, da sich die Summons leider mal wieder nicht abbrechen lassen. Soundtechnisch hat sich Nobuo Uematsu auf keine Experimente eingelassen, Stil, Komposition und Melodien ähneln sehr stark derer von FF7. Highlights in dem Bereich sind "Eyes on me" (in Japan in den Charts), gesungen von der asiatischen Sängerin Fae Wong, und dass an "One Winged Angel" erinnernde "Fithos Lusec ...", welches bei Auftritten der Oberbösewichte zum Einsatz kommt. Ansonsten muss ich aber sagen, dass mir persönlich die Melodien aus FF7 ein wenig eingängiger erschienen. Auf Sprachausgabe in einem Final Fantasy müssen wir wohl auf die kommenden PS2-Spiele warten, denn dank des DVD-Mediums sollte endlich genügend Speicherplatz zur Verfügung stehen.
Neben der technischen Brillianz hat Square sich dem Gameplay angenommen und dieses ordentlich umgekrempelt. Das Materia-System aus FF7 wurde über Bord geworfen und durch das umso komplexere "Junction-System" ersetzt, mit dem man die Charaktere sehr genau den eigenen Wünschen nach anpassen kann. Am Anfang haben alle Charaktere nur eine Standartfähigkeit, den "Attack" Befehl. Damit mehr Fähigkeiten zur Verfügung stehen, muß man den Charakteren sogenannte Guardian Forces zuweisen. Die Guardian Forces entsprechen den Summons aus FF7, bieten aber neben den stärksten Angriffszaubern eine Menge an Fähigkeiten, von denen sich jeder Charakter eine begrenzte Anzahl aussuchen kann. Neben Kampfbefehlen wie z.B. "Magic" "Item" oder dem überaus wichtigen "Draw", auf das ich etwas später eingehe, darf man sich erweiternde Fähigkeiten aussuchen, die z.B. die Stärke oder die Hitpoints erhöhen. Dies ist aber nicht alles, was die G.F. bewirken. Die allseits beliebten Magic Points gibt es nicht mehr. Um an Zauber zu kommen, bedient man sich im Kampf dem "Draw"-Befehl, der den Gegnern eine gewisse Stückzahl an Zaubern entzieht (ein wenig an B.F. Musashi angeliehen). Die Zauber werden dann wie Items verwaltet, hat man alle aufgebraucht, muß man sich erst wieder neue besorgen, um den Zauberspruch ausführen zu können. Der "Draw-Befehl" sollte auf jeden Fall immer zu eurem Repertoire gehören, denn einige der Bosse haben Guardian Forces, die man von denen "drawen" kann. Die Magie kann aber nicht nur zum Zaubern benutzt werden, sondern je nach G.F. auch verschiedenen Statuswerten zugewiesen werden. Habt ihr z.B. eine hohe Anzahl an Feuerzaubern gebunkert und steht kurz vor dem Besuch in einer Eishöhle, weist ihr einfach die Feuermagie euer Attacke zu und fügt damit den eisbasierten Monstern doppelten Schaden als normal zu. Weist ihr Eismagie euer Abwehr zu, neutralisiert ihr damit den Schaden, der euch zugefügt wird. Drawt man also fleissig und hält seine Magie zusammen, kann man seine Charaktere punktgenau auf jede Situation anpassen. Außer Heil- & Statuszauber wird man sowieso kaum Magie benutzen, durch das Zuweisen werden eure normalen Attacken starker als jeglicher Angriffszauber. Der Wegfall der Magic Points hat im Kampf auch für die Guardian Forces Folgen, die, solange sie genug HP übrig haben, sooft benutzt werden können wie man will.
Da das ganze "Junctioning" viel Aufmerksamkeit erfordert, hat Square stattdessen andere Sachen vereinfacht oder abgeändert. Wer im Hauptmenü nach "Equip" sucht, wird nicht mehr fündig, es gibt keinerlei Kleidungsstücke und Accessoires. Neue Waffen gibt es auch nicht, man lässt sein Angriffswerkzeug per Anleitung aus Zeitschriften und den entsprechenden Kleinteilen beim nächsten "Junk-Shop" zusammenbasteln (ähnlich wie in Suikoden). Ebenfalls eine Anleihe an Suikoden ist das normierte Aufleveln, jeder Charakter braucht immer exakt 1000 EXP, um einen Level aufzusteigen (Bossfights bringen im übrigen gar keine Erfahrungpunkte mehr). Kosmetische Änderungen gibt es auch bei den beliebten Limit Breaks aus FF7. Anstatt wie beim Vorgänger durch Einstecken von Gegnerattacken eine Limit-Leiste aufzubauen, kommen die Limits zufällig, wenn die HP des Charakters im kritischen Bereich sind. Dies hat aber insb. später im Spiel oft zur Folge, dass man von vielen Gegnern leicht umgenietet werden kann, bevor man den Limit Break einsetzt. Dafür haben sich bei den Limits viele Ideen aus den Vorgängern einzug gefunden. So hat z.B. entspricht der Limit Break von Ausbilderin Quistis Trepe den Enemy Skills aus FF7, der Limit von Squalls Kollegen Zell Dincht erinnert an Sabins Blitz-Angriff aus FF3.
Erwähnt werden sollte auch die "Triple Triad", eine Karten-Spiel, welches mit Trading-Cards von Final Fantasy 8 ausgefochten wird. Mann kann nahezu jede Person, die man trifft, zu einem Spielchen herausfordern. Je nach Region gibt es unterschiedliche Regeln, die den Spielablauf nachhaltig beeinflussen, der Gewinner kann sich eine oder mehrere Karten des Verlierers aussuchen. Im Endeffekt geht es darum, seine Kartensammlung möglichst lückenlos zu füllen, was sich im Laufe der Zeit schon zur Sucht entwickeln kann ;). Etwas verwundernd ist die Tatsache, dass das Pocketstation Mini-Game "Chocobo World" immer noch in FF8 enthalten ist, obwohl die PocketStation noch nicht mal in den USA offiziell erhältlich ist. Wer glücklicher Besitzer der PSX-Peripherie ist, kann in Bus & Bahn mit der Chocobo-Aufzucht beschäftigen oder seltene Items finden und diese in das eigentliche Spiel importieren.
Auch wenn sich seit FF7 sich viele Neuerungen im Spiel eingefunden haben, hat sich der eigentliche Spielablauf nur unwesentlich geändert. Man folgt die meiste Zeit über dem durch die Story vorgegebenen Weg und schlägt sich dabei mit Unmengen an Gegnern und Oberbossen. Auflockerungen bringen z.B. das erwähnte "Triple Triad" & die Möglichkeit, an einer Vielzahl an kleineren Sidequests teilzunehmen. Der Hauptanreiz für stundenlange Spielesessions bleibt aber wie so oft die ausgefeilte Geschichte, die mal wieder mit einigen überraschenden und komplexen Wendungen aufwartet. Leider wird das erzählerische Niveau von Final Fantasy 3 & 7 sowie Xenogears nicht erreicht, viele interessante Storyansätze verlieren sich mit zunehmeder Spieldauer im Wirrwar oder werden enttäuschend aufgelöst, dafür gibt es wie gesagt in unregelmäßigen Abständen hier und da auch ein paar Highlights zu bestaunen.
Als alter Rollenspiel-Hase stimmt einen dazu die eingeschränkte Vielfalt etwas ärgerlich, die Entwickler haben sich wohl in Rücksicht auf unerfahrene Spieler und das komplexe Junctioning-System zurückgehalten, und auch die mit FF7 neugewonnenen Käufer sollten nicht gleich wieder abbzuschrecken. Dies soll nun nicht heißen, dass man als "Insider" keinen Spaß an FF VIII haben kann, im Gegenteil, dank der vielen frischen Elemente, dem etwas "anderen" Junction-System und der guten Story-Brocken zwischendurch wird man zum Weiterspielen motiviert, die gigantisch gute Präsentation fesselt auch noch zu Dreamcast & PS2-Zeiten vor der Konsole. Also, wer sich FF8 entgehen lässt, verpasst eine Erfahrung die man als RPG'ler gemacht haben sollte.
Fazit : Technisch erstklassiges Rollenspiel mit ausgefeilter "Love-Story" und vielen Innovationen. Erfahrenen Spielern fehlt zwar ein wenig der Anspruch, alles in allem aber bleibt FF VIII immer noch ein spaßiges RPG was von vielen in der Retrospektive verkannt wird. Die durchschnittliche Spielzeit liegt bei etwa 50 bis 70 Stunden.
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