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Review der US-Version


von Greg

 
 

 
  Das Thema Rollenspiel ist in Japan untrennbar mit zwei großen Namen verbunden: »Final Fantasy« und »Dragon Quest«. Beinahe parallel starteten gegen Mitte der 80’er beide Serien auf dem NES und lockten in den Folgejahren Millionen von begeisterten Spielern an. Nicht jeder »Final Fantasy«-Fan hat damals aber auch automatisch »Dragon Quest« gespielt, umgekehrt traf dies natürlich ebenfalls zu. Was wäre aber nun wenn es ein Spiel geben würde, dass alle Rollenspieler gleichermaßen anspricht? Diese Frage hat man sich beim renommierten Spiele-Entwickler Squaresoft damals auch gestellt und sogleich einen cleveren Plan zurechtgelegt. Nichts Geringeres als DAS definitive Japano-RPG wollte man erschaffen.

Flux wurde das sogenannte »Dream Team« zusammengestellt. Die kreativen Köpfe hinter »Dragon Quest« und »Final Fantasy«, Yuji Horii und Hironobu Sakaguchi, wurden mit der Leitung des Projekts beauftragt. Für das Design wurde Akira Toriyama angeheuert, der neben »Dragon Quest« auch für die wahnsinnig erfolgreichen »Dragon Ball«-Mangas verantwortlich war. Dazu kamen vielversprechende Neulinge wie Storyschreiber Masato Kato (»Xenogears«) und Komponist Yasunori Mitsuda (»Chrono Cross«) mit an Bord. Die schlossen sich daraufhin ein und machten sich sofort ans Werk. Das Ergebnis wurde schließlich im Frühjahr 1995 fertiggestellt, kam für das Super Nintendo heraus und nannte sich »Chrono Trigger«.

Die ersten Schritte in »Chrono Trigger« sind noch relativ harmlos. In der Rolle von Crono, einem energiegeladenen Teenager mit roter Stachelfrisur, begebt ihr euch auf den frisch angelaufenen Jahrmarkt in der benachbarten Stadt. Dort scheint alles mit rechten Dingen zuzugehen: Ihr lasst beim Hau-den-Lukas die Muskeln spielen und futtert nebenbei ein wenig Zuckerwatte, sogar ein nettes Mädel namens Marle läuft euch über den Weg und ihr klappert gemeinsam die Stände ab. Dann passiert jedoch das Unglaubliche. Eure technikverrückte Freundin Lucca hat eine Maschine erfunden, die Personen von einem Ort an den Anderen transportieren kann. Marle muss diese Maschine unbedingt ausprobieren und verschwindet dann spurlos. Ihr folgt ihr natürlich… und landet prompt 400 Jahre in der Vergangenheit!

Ähnlich wie im Filmklassiker »Zurück in die Zukunft« geht es nun mit Crono auf ein großes Zeitreise-Abenteuer. Nachdem ihr Marle wieder gerettet habt ist die Story nämlich noch lange nicht vorbei. Es folgen Ausflüge ins tiefste Mittelalter, in die Steinzeit und sogar bis ans Ende der Zeit! Wo sich andere Rollenspiele mit einer normalen Heldengeschichte begnügen, dreht »Chrono Trigger« erst richtig auf. Der Spielverlauf sprüht nur so vor cleveren Ideen, neben der nötigen Dramatik steckt auch noch ein gehöriger Schuss Humor drin und trotz wechselnder Zeitperioden bleibt die Story stets logisch. Wunderbar.

Viel vom Charme des Spieles machen vor allem die Charaktere aus. Hauptfigur Crono ist zwar der typisch-stumme Rollenspiel-Protagonist, der schweigsam und ohne zu murren die härtesten Aufgaben auf sich nimmt, aber das macht nichts. Um ihn herum sammelt sich eine der sympathischsten RPG-Partys aller Zeiten: Neben Marle und Lucca kommen noch der wandelnde Amphibienmensch Frog, der metallene Robo sowie die Steinzeit-Schönheit Ayla dazu. Im Laufe des Abenteuers wachsen euch eure Kollegen dermaßen ans Herz, dass ihr sich nach Ende des Spieles regelrecht vermisst.

Spielerisch merkt man »Chrono Trigger« deutlich an, dass dort die hellsten Köpfe des Genres am Werk waren. Konsequent wurden nämlich alle Dinge, die bei Japano-RPGs einfach keinen Spaß machen, rausgeschnitten. Zufallskämpfe beispielsweise, die zum größten Nervfaktor eines jeden Spieles zählen können, gibt es hier nicht. Stattdessen könnt ihr eure Gegner jederzeit sehen und ihnen bei Bedarf sogar ausweichen, solltet ihr mal keine Lust aufs Kämpfen haben. Tretet ihr doch gegen sie an, habt ihr auch keinen Grund zum Meckern. Angelehnt an das »Final Fantasy«-Kampfsystem wird hier ebenfalls rundenbasiert gekloppt, zusätzlich kommen hier aber eine Vielzahl an Combo-Attacken und teils sehr clevere Gegner hinzu, so dass die Auseinandersetzungen sogar richtig Spaß machen.

Auch die Grafik weiß zu überzeugen. Knapp ein Jahr nach dem technisch herausragenden »Final Fantasy VI« veröffentlicht legte »Chrono Trigger« optisch noch eine Schippe drauf und fängt den einprägsamen Stil von Akira Toriyama in perfektem Anime-2D ein. Die Musik ist ebenfalls eine Sensation. Der Soundtrack war das erste große Projekt von Yasunori Mitsuda, der vorher nur bei einigen »Final Fantasy«-Episoden bei der Instrumentierung aushelfen durfte. Der packte die Gelegenheit beim Schopfe und arbeitete so lange und hart an der Musik, dass er sich vor Erschöpfung sogar krank melden musste. Das Ergebnis sprach aber für sich: Neben dem »Final Fantasy VI«-Soundtrack ist die Musik von »Chrono Trigger« das Beste, was je aus dem Soundchip des SNES gekommen ist.

Eigentlich hätte das Projekt »Chrono Trigger« nie im Leben funktionieren sollen. Wenn so viele kreative Köpfe zusammenkommen endet dies meist in Streitereien und schlägt sich negativ im Endprodukt nieder, denn „viele Köche verderben den Brei“, wie es so schön im Volksmund heißt. Bei »Chrono Trigger« trifft aber das genaue Gegenteil zu. Hier greift alles genauestens in sich, jeder Teil ist auf puren Spielspaß ausgelegt, es gibt einfach garnichts was man in der damaligen Zeit hätte besser machen können. Wenn man ein Spiel als perfekt bezeichnen kann, dann dieses hier.

Wie viele herausragende Rollenspiele aus dieser Ära ist »Chrono Trigger« in der SNES-Fassung natürlich nie bei uns erschienen. Zur Jahrtausendwende folgte eine technisch maue PSOne-Version, die uns aber ebenfalls nie erreichte. Anfang 2009 erbarmte sich Publisher Square Enix schließlich uns armen PAL-Spielern und veröffentlichte das Spiel erstmals auch in Deutschland. In der hervorragend umgesetzten Nintendo DS-Version spielt sich »Chrono Trigger« so gut wie eh und jeh, einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings: die Texte sind weiterhin nur in Englisch.

Fazit: Von einem Spiel wie »Chrono Trigger« hat jeder Rollenspieler schon mal geträumt. Entwickelt von den besten Leuten im Business wurden konsequent alle negativen Eigenschaften des Genres clever umschifft und das Positive in den Vordergrund gestellt. Die spannende Zeitreise-Storyline ist dramatisch und witzig zugleich, die Charaktere ungemein sympathisch, dazu gibt es am Gameplay wie auch an der Technik rein garnichts auszusetzen. DAS definitive Rollenspiel der 16-Bit Ära.

 

 
 

 
Grafik       

Sound      

Spielspaß