| |
Wie im Review der Collection erwähnt wurde Arc The Lad seinerzeit vom Entwickler-Team G-Craft gefertigt und lässt sich mit etwas gutem Willen als das erste PSX-RPG überhaupt bezeichnen. Das Spiel erschien ursprünglich in Japan im Juni 1995, also etwa ein knappes halbes Jahr nach dem Launch der Konsole und verkaufte sich (wohl mangels Alternativen) recht ordentlichlich. Mit der Bezeichnung von Arc The Lad als "vollwertiges RPG" würde ich aber nicht ganz das richtige Genre treffen, denn G-Craft haben sich spieltechnisch bei Camelots' Strategical-Reihe Shining Force bedient und eigentlich nur einen reinen Kampfmodus mit karger RPG-Beilage serviert. Ihr schlüpft in die Rolle des jungen Arc, dessen Vater vor 10 Jahren spurlos verschwand, weshalb er nun den benachbarten Berg besucht, um ein paar Anhaltspunkte zu finden. Ausgehend von dieser Situation entwickelt sich die obligatorische und spannungsarme "Freunde finden & Welt retten"-Story, welche ohne richtige Highlights oder überraschende Storywendungen auskommen muß und im Endeffekt nur den Spieler von einem Kampfgebiet zum nächsten hetzt. Die Übersetzer haben ihr möglichstes getan um den Figuren durch geschliffene Dialoge etwas mehr Leben einzuhauchen, was aber trotzdem nicht darüber hinwegtäuscht wie flach und mit aufgesetzten Emotionen die Charakter-Entwicklung meist verläuft. Habt ihr euch einen der ausufernden Story-Abschnitte angesehen, kommt ihr entweder auf eine kleine Landkarte, wo ihr Speichern und den nächsten Kampf anklicken könnt, oder werdet gleich in ein aus dem Verlauf der Geschichte resultierendes Gefecht geworfen.
Kommt es nun zum Kampf, wird auf eine (durchaus mal mehrere Bildschirme umfassende) Map geschaltet, wo ihr nach kurzem Blick in euer Equipment gleich mit der Arbeit beginnen könnt. Auf Schnick-Schnack wie abwechselnde Gegner/Player-Phasen oder separate Kampfbildschirme wurde verzichtet, ihr bewegt eure Charas zwar frei nach Shining Force-Art blockweise über die Map, könnt eure Gegnerschaft aber einfach per X-Knopf attackieren, Umwege über Pulldown-Menüs bleiben euch erspart. Für den Einsatz von Skills & Zaubern wird auf ein Ringmenü zurückgegriffen, welches G-Craft frecherweise direkt aus den Seiken Densetsu-Spielen von Squaresoft stibitzt hat, zwar nicht besonders innovativ, aber dennoch recht nützlich. Durch den Verzicht auf den ganzen zusätzlichen Menü-Wust spielt sich Arc The Lad für ein Strategie-RPG erstaunlich flott, ihr feuert Aktionen und Skills ohne viel Überlegung ab und hangelt euch so ziemlich schnörkellos von Kampf zu Kampf. Die Kehrseite der Medaille für euer zügiges Weiterkommen ist aber, dass durch das einfache Gameplay und den runtergeschraubten Anspruch so ziemlich jeder taktische Ansatz oder gar eine aufwendige Kampfstrategie im Nichts verpufft. Es gibt trotz vorhandener Höhenunterschiede und die verschiedensten Kampfschauplätze keinerlei "Terrain Effects Chart", durch welche die Begebenheiten der Map mit in die Angriffe einbezogen wirden. Eine Assist-Funktion such man ebenfalls vergeblich, da könnt ihr Gegner mit noch so vielen Leuten einkreisen, Boni werden nicht verteilt.
Hier von "Schwierigkeitsgrad" zu reden wäre arg übertrieben, denn auch die Gegner-KI ist nicht gerade aggressiv eingestell und macht mitunter den Eindruck, als ob sie absichtlich absolut nutzlose Züge hier und da einstreut. Dass sich nun selbst der blutigste Anfänger nicht ohne Gegenwehr durch die gegnerischen Reihen durchschlachten kann, liegt einzig und allein am unausgegorenen Level-System. Wie sich eure Recken gegen eure Gegnerschaft schlagen hängt einzig und allein vom Level euer Figuren ab, mit einem hohen Level z.B. vernichtet ihr eure Gegenüber ohne nenneswerte Probleme. Ist euer Level aber zu niedrig, habt ihr kaum eine Möglichkeit euren Gegnern eine vernünftige Menge an HP abzuziehen und könnt euch entweder auf einen unsagbar zähen (und vor allem nutzlosen) Kampf einlassen oder gleich resetten. Hier kommt der interessante Teil ins Spiel: Ihr kriegt im normalen Kampfverlauf ab und nicht nicht genügend Erfahrungspunkte zusammen, um die kommenden Gefechte zu schaffen, so daß ihr zum ausgiebigen Aufleveln in speziellen Battle-Arenen oder Bonus-Kampfgebieten gezwungen werdet. Wahrlich keine elegante Lösung, die im Endeffekt sogar nur eine Maßnahme ist, um den sehr, sehr kleinen Umfang von Arc The Lad etwas zu strecken: Selbst mit den zusätzlichen Kampfeinlagen kriegt ihr nach knappen 10 bis 12 Stunden den unbefriediegenden Abspann zu sehen und könnt das Spiel ad acta legen. Abschließend betrachtet bin ich vom Arc The Lad ziemlich hin- und hergerissen. Das flotte Interface macht Spaß und die technische Umsetzung ist für ein PSX-Spiel des Jahres 1995 durchaus gelungen, dank netter 2D-Grafik mit ordentlich animierten Sprites sowie orchestrierter Musik und tonnenweise japanischer Sprachsamples fühlt sich selbst der größte Technik-Fetischist beim Spielen nicht unwohl. Dem gegenüber stehen dann aber die ganzen Schwächen in Sachen Storyline, Gameplay & Umfang, was den Spielspaß doch arg in Mitleidenschaft zieht. Als Vollpreis-Import wäre Arc The Lad eine Frechheit, doch im Umfeld der Collection kann man sich den Titel zur Eingewöhnung an das Gameplay und Einstimmung in die Reihe ruhig geben. Nicht gerade abgrundtief schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Bestimmte Kombinationen zwischen NoName-Memcards und PSOne-Varianten können das Spiel beim Speichern übrigens einfrieren lassen, nur ein Wechsel der Karte hilft weiter.
Fazit : Kein guter Einstand für die Reihe: Die für das Alter des Spieles gelungene Technik und das an sich flotte Gameplay täuscht nicht über die diversen Mängel hinweg. Die Storyline ist belanglos und nicht allzu motivierend, der Schwrierigkeitsgrad nicht existent und das Spiel dementsprechend anspruchslos. Dazu kommen dann der geringe Umfang und der unbefriedigende Abschluss, so dass Arc The Lad als Standalone eigentlich die rote Karte verdient hätte, als Intro in die Reihe und Übergang in den wesentlich besseren Teil 2 aber noch im erträglichen Bereich.
|
|